Nach der Mutter-Kind-Kur zurück im Alltag
Wie Veränderungen wirklich bleiben können
Drei Wochen raus aus dem Alltag, nicht kochen müssen, keine Wäscheberge, keine Termine koordinieren und endlich einmal wieder zur Ruhe kommen: Viele Mütter und Väter verbinden mit einer Mutter-/Vater-Kind-Kur die Hoffnung auf Erholung.
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Und dann ist er plötzlich wieder da, der ganz normale Familienalltag. Die Wäsche wartet, die Kinder müssen zur Schule, Termine stehen an und auch im Beruf läuft alles weiter wie bisher. Ehe man sich versieht, ist man wieder mittendrin. Die kleinen Pausen, die während der Kur so gutgetan haben, fallen als Erstes weg. Und irgendwann fragt man sich: Wo ist eigentlich all das geblieben, was ich mir vorgenommen hatte?
Kommt Ihnen das bekannt vor? Dann geht es Ihnen wie vielen anderen Eltern nach einer Mutter-/Vater-Kind-Kur. Denn eines ist klar: Im geschützten Rahmen einer Kur fällt es oft leichter, auf sich selbst zu achten. Zu Hause müssen neue Gewohnheiten erst einmal ihren Platz zwischen all den täglichen Verpflichtungen finden.
Aber wie schafft man es, etwas von der Erholung und den wertvollen Erfahrungen aus der Kur in den Alltag mitzunehmen? Und was hilft, wenn die alten Gewohnheiten schneller zurückkommen, als einem lieb ist? Genau darum geht es in diesem Beitrag. Denn manchmal braucht es gar keine großen Veränderungen, sondern kleine Schritte, die sich im Familienalltag tatsächlich umsetzen lassen.
Warum gute Vorsätze nach der Kur oft im Alltag untergehen
Während der Mutter-/Vater-Kind-Kur haben Sie vielleicht gemerkt, wie gut es tut, sich wieder mehr Zeit für sich selbst zu nehmen. Endlich einmal in Ruhe einen Kaffee trinken, einen Spaziergang machen oder einfach ein paar Minuten die Gedanken schweifen lassen. Ohne dabei ständig im Kopf zu haben, was als Nächstes erledigt werden muss.
Und genau dieses Gefühl möchten Sie natürlich mit nach Hause nehmen. Doch dort sieht die Welt oft ganz anders aus. Das liegt nicht daran, dass Ihnen die Motivation fehlt oder Sie sich nicht genug Mühe geben. Vielmehr sind die Bedingungen zu Hause ganz andere als während der Kur.
Zwischen Kuralltag und Familienleben liegen oft Welten
Während einer Kur gibt es einen geregelten Tagesablauf. Viele organisatorische Aufgaben werden Ihnen abgenommen und es sind bewusst Zeiten für Anwendungen, Gespräche und Erholung vorgesehen. Sie dürfen sich mit Ihren eigenen Bedürfnissen beschäftigen, ohne gleichzeitig den gesamten Familienalltag organisieren zu müssen.
Zu Hause dagegen wartet niemand darauf, dass Sie erst einmal in Ruhe ankommen. Der Kühlschrank muss gefüllt werden, die Kinder brauchen Unterstützung bei den Hausaufgaben und der nächste Elternabend steht vielleicht auch schon vor der Tür. Dazu kommen die Arbeit, der Haushalt und all die kleinen Dinge, an die im Familienalltag gedacht werden muss.
Da passiert es schnell, dass die eigenen Bedürfnisse wieder ganz hinten auf der Liste landen. Nicht unbedingt, weil sie weniger wichtig geworden sind, sondern weil andere Aufgaben im ersten Moment dringender erscheinen.
Genau deshalb ist es wichtig, sich bewusst zu machen: Was während der Kur gut funktioniert hat, lässt sich nicht immer eins zu eins in den Alltag übertragen. Aber vieles lässt sich so anpassen, dass es auch zu Hause seinen Platz finden kann.
Warum wir so schnell in alte Gewohnheiten zurückfallen
Kennen Sie das? Sie nehmen sich fest vor, abends früher ins Bett zu gehen, öfter eine Pause einzulegen oder nicht mehr zu allem sofort Ja zu sagen. Ein paar Tage klappt das wunderbar. Doch dann wird ein Kind krank, bei der Arbeit ist besonders viel los oder ein Termin jagt den nächsten. Und plötzlich ist alles wieder wie vorher.
Das hat einen einfachen Grund: Unser Gehirn liebt Gewohnheiten. Vertraute Abläufe helfen uns dabei, den Alltag zu bewältigen, ohne ständig über jede Kleinigkeit nachdenken zu müssen. Gerade wenn wir unter Stress stehen, greifen wir deshalb häufig auf Verhaltensweisen zurück, die wir schon lange kennen.
Neue Gewohnheiten brauchen dagegen Zeit und Wiederholung, bis sie sich selbstverständlich anfühlen. Und sie müssen zum eigenen Leben passen. Wer ohnehin jeden Tag zwischen Familie, Beruf und Haushalt jongliert, wird es wahrscheinlich schwer haben, plötzlich eine Stunde täglich für Entspannungsübungen einzuplanen.
Das bedeutet aber keineswegs, dass die Erfahrungen aus der Kur verloren sind. Vielleicht erkennen Sie inzwischen früher, wann Ihnen alles zu viel wird. Vielleicht fällt Ihnen auf, dass Sie schon wieder sämtliche Aufgaben allein übernehmen. Oder Sie merken, dass Sie eigentlich dringend eine Pause brauchen.
Auch das sind wichtige Veränderungen. Denn bevor wir etwas anders machen können, müssen wir oft erst einmal erkennen, was uns im Alltag belastet.
Was möchte ich aus der Kur mit nach Hause nehmen?
Vielleicht haben Sie während Ihrer Mutter-/Vater-Kind-Kur festgestellt, dass Ihnen ein Spaziergang an der frischen Luft unglaublich guttut. Oder Sie haben gemerkt, wie schön es ist, einmal in Ruhe zu frühstücken, ohne nebenbei schon die nächsten Aufgaben zu planen. Vielleicht waren es aber auch die Gespräche mit anderen Eltern, bei denen Sie plötzlich festgestellt haben: Mensch, denen geht es ja ganz genauso wie mir!
Oft sind es gerade diese kleinen Momente, die uns während einer Kur besonders in Erinnerung bleiben. Und genau dort lohnt es sich anzusetzen. Denn bevor Sie überlegen, was Sie zu Hause alles verändern möchten, stellen Sie sich doch erst einmal eine ganz einfache Frage: Was hat mir während der Kur eigentlich besonders gutgetan?
Die eigenen Bedürfnisse wieder ernst nehmen
Im Familienalltag sind wir häufig so sehr damit beschäftigt, für andere da zu sein, dass wir unsere eigenen Bedürfnisse kaum noch wahrnehmen. Wann haben Sie sich zuletzt gefragt, was Sie gerade brauchen? Nicht, was die Kinder brauchen, was im Haushalt erledigt werden muss oder was bei der Arbeit ansteht. Sondern wirklich, was Ihnen selbst guttun würde.
Während einer Mutter-/Vater-Kind-Kur bleibt oft wieder mehr Raum für diese Frage. Vielleicht haben Sie gelernt, Ihre persönlichen Belastungsgrenzen besser zu erkennen. Vielleicht ist Ihnen bewusst geworden, wie erschöpft Sie eigentlich waren. Oder Sie haben entdeckt, dass Ihnen bestimmte Dinge viel mehr Kraft geben, als Sie bisher gedacht haben.
Versuchen Sie, diese Erkenntnisse mit nach Hause zu nehmen. Überlegen Sie ganz in Ruhe, welche Momente Sie während der Kur besonders genossen haben und was Sie davon in Ihrem Alltag vermissen.
Dabei geht es keineswegs darum, den Tagesablauf aus der Kur zu Hause nachzubauen. Das wäre in den meisten Familien ohnehin kaum möglich. Viel wichtiger ist es, herauszufinden, welches Bedürfnis hinter einer schönen Erfahrung steckt.
Haben Ihnen beispielsweise die Spaziergänge während der Kur so gutgetan, weil Sie sich mehr bewegen konnten? Oder war es vielleicht die Ruhe, das Alleinsein oder einfach das Gefühl, für einen Moment keine Verantwortung tragen zu müssen?
Wenn Sie wissen, was Ihnen gefehlt hat, fällt es oft leichter, auch zu Hause einen passenden Weg dafür zu finden.
Lieber eine kleine Veränderung als zehn große Vorsätze
Hand aufs Herz: Kennen Sie das auch? Man kommt voller Motivation nach Hause und nimmt sich vor, ab jetzt alles ein bisschen besser zu machen. Gesünder essen, regelmäßig Sport treiben, gelassener auf die Kinder reagieren, mehr Zeit für sich selbst einplanen und natürlich endlich früher schlafen gehen.
Das klingt zunächst wunderbar. Nur leider hat der Tag auch nach der Kur weiterhin nur 24 Stunden.
Wer versucht, gleich mehrere Dinge auf einmal zu verändern, setzt sich damit schnell selbst unter Druck. Und genau den wollten Sie während Ihrer Kur vielleicht gerade ein Stück weit hinter sich lassen.
Deshalb darf es ruhig etwas kleiner anfangen. Statt sich vorzunehmen, jeden Abend eine halbe Stunde zu entspannen, könnten Sie beispielsweise damit beginnen, sich nach dem Abendessen fünf Minuten ganz bewusst Zeit für sich zu nehmen. Ohne Handy, ohne Hausarbeit und möglichst ohne schon die nächste Aufgabe im Kopf zu haben.
Sie möchten mehr darüber erfahren? In unserem Blogbeitrag zum Thema „Tiny Habits: Mit kleinen Gewohnheiten viel erreichen“ zeigen wir Ihnen, wie Sie mit kleinen Veränderungen Schritt für Schritt neue Routinen entwickeln können.
Und wenn es an einem Tag einmal nicht klappt? Dann versuchen Sie es eben am nächsten wieder. Sie müssen schließlich niemandem beweisen, wie gut Sie Ihre Vorsätze umsetzen können.
Kleine Veränderungen, die im Familienalltag wirklich funktionieren können
Die guten Vorsätze sind gefasst, die Motivation ist da. Aber wie schafft man es nun, die neuen Erkenntnisse aus der Mutter-/Vater-Kind-Kur tatsächlich im Alltag umzusetzen?
Die gute Nachricht ist: Dafür müssen Sie Ihr Familienleben nicht komplett umkrempeln. Oft reicht es schon, an kleinen Stellschrauben zu drehen. Wichtig ist vor allem, dass die Veränderungen zu Ihnen, Ihrer Familie und Ihrem persönlichen Tagesablauf passen.
Kleine Pausen schaffen, auch wenn wenig Zeit bleibt
„Ich würde ja gerne mal eine Pause machen, aber wann denn bitte?“ Diesen Gedanken kennen wahrscheinlich viele Eltern nur zu gut. Zwischen Frühstück vorbereiten, Kinder zur Schule bringen, arbeiten, einkaufen und Abendessen kochen bleibt oft kaum Zeit zum Durchatmen.
Doch eine Pause muss nicht immer eine halbe Stunde dauern. Manchmal können schon wenige Minuten helfen, kurz zur Ruhe zu kommen.
Vielleicht trinken Sie Ihren Kaffee morgens ganz bewusst, bevor Sie sich wieder den nächsten Aufgaben widmen. Oder Sie setzen sich nach der Arbeit für fünf Minuten auf die Terrasse, bevor der Familiennachmittag beginnt. Auch ein paar tiefe, ruhige Atemzüge am offenen Fenster können ein kleiner Moment sein, in dem Sie Ihre Aufmerksamkeit wieder auf sich selbst richten.
Entscheidend ist dabei weniger, wie lange die Pause dauert, sondern dass Sie sich diese Zeit bewusst erlauben.
Und noch etwas ist wichtig: Nicht jede freie Minute muss sinnvoll genutzt werden. Sie dürfen auch einfach einmal dasitzen und gar nichts tun. Ohne schlechtes Gewissen und ohne das Gefühl, eigentlich etwas erledigen zu müssen.
Grenzen setzen und auch einmal Nein sagen
Gerade Eltern kennen dieses Gefühl: Eigentlich ist man schon völlig erschöpft, aber dann kommt noch eine Bitte, eine zusätzliche Aufgabe oder ein weiterer Termin dazu. Und ehe man darüber nachgedacht hat, hat man schon wieder Ja gesagt.
Vielleicht haben Sie während Ihrer Kur gelernt, Ihre persönlichen Grenzen besser wahrzunehmen. Jetzt geht es darum, diese auch im Alltag ernst zu nehmen.
Das bedeutet natürlich nicht, dass Sie plötzlich jede Bitte ablehnen sollen. Aber Sie dürfen sich durchaus fragen: Habe ich dafür gerade wirklich die Kraft? Muss ich diese Aufgabe übernehmen? Oder könnte vielleicht auch jemand anderes einspringen?
Manchmal hilft es schon, nicht sofort zu antworten. Ein einfaches „Ich schaue erst einmal, ob ich das zeitlich schaffe“ verschafft Ihnen die Möglichkeit, in Ruhe zu überlegen.
Und wenn Sie merken, dass es gerade zu viel wird, dürfen Sie das auch sagen.
Ein Nein zu einer zusätzlichen Aufgabe ist schließlich nicht automatisch ein Nein zu einem anderen Menschen. Manchmal ist es einfach notwendig, um die eigenen Kräfte zu schützen.
Natürlich wird das nicht immer auf Anhieb funktionieren. Besonders dann, wenn Ihr Umfeld daran gewöhnt ist, dass Sie sich um alles kümmern. Umso wichtiger ist es, dranzubleiben und auch die eigenen Bedürfnisse als berechtigt anzusehen.
Neue Gewohnheiten mit bestehenden Routinen verbinden
Neue Gewohnheiten lassen sich häufig leichter in den Alltag einbauen, wenn sie an etwas anknüpfen, das wir ohnehin jeden Tag tun.
Vielleicht möchten Sie die Entspannungsübungen aus Ihrer Kur weiterführen. Dann könnten Sie sich beispielsweise vornehmen, nach dem morgendlichen Zähneputzen eine Minute lang bewusst und ruhig zu atmen.
Oder Sie möchten sich mehr bewegen? Dann könnte ein kurzer Spaziergang nach dem Mittagessen zu einer festen kleinen Routine werden.
Auch hier gilt: Fangen Sie lieber klein an. Wenn Sie merken, dass Ihnen eine Veränderung guttut und sie sich gut in Ihren Alltag einfügt, können Sie diese nach und nach ausbauen.
Vielleicht werden aus fünf Minuten frischer Luft irgendwann zwanzig. Vielleicht bleibt es aber auch bei fünf Minuten. Beides ist vollkommen in Ordnung.
Denn letztlich geht es nicht darum, möglichst viele neue Gewohnheiten zu entwickeln. Es geht darum, sich im eigenen Alltag immer wieder kleine Möglichkeiten zu schaffen, gut für sich selbst zu sorgen.
Mit der Familie über die Erfahrungen aus der Kur sprechen
Während Ihrer Kur haben Sie vielleicht einiges über sich selbst gelernt. Aber weiß Ihre Familie eigentlich, was Sie dort beschäftigt hat und was Sie sich für die Zukunft wünschen?
Nehmen Sie sich nach Ihrer Rückkehr bewusst Zeit, darüber zu sprechen. Erzählen Sie Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin und Ihren Kindern, was Ihnen während der Kur besonders gutgetan hat. Vielleicht war es die Möglichkeit, einmal in Ruhe zu essen. Vielleicht haben Sie gemerkt, wie wichtig regelmäßige Pausen für Sie sind oder dass Sie sich im Alltag häufig zu viel zumuten.
Dabei müssen Sie keine große Familienbesprechung einberufen. Manchmal entsteht ein gutes Gespräch ganz nebenbei, beispielsweise beim gemeinsamen Abendessen oder einem Spaziergang.
Versuchen Sie, Ihre Wünsche möglichst konkret zu formulieren. Statt „Ich möchte weniger Stress haben“ könnten Sie beispielsweise sagen: „Mir würde es guttun, wenn ich abends nach der Arbeit erst einmal eine Viertelstunde Zeit für mich hätte.“
Auch die Kinder können dabei einbezogen werden. Je nach Alter verstehen sie durchaus, dass Mama oder Papa manchmal eine Pause brauchen. Und vielleicht haben auch sie während der gemeinsamen Kur Dinge erlebt, die sie gerne zu Hause beibehalten möchten.
Alle Familienmitglieder sollten die Möglichkeit bekommen, ihre Wünsche und Vorstellungen einzubringen. Denn Veränderungen lassen sich oft leichter umsetzen, wenn die Familie gemeinsam nach Lösungen sucht.
Aufgaben und Verantwortung neu verteilen
Wer denkt eigentlich daran, dass neue Sportschuhe gebraucht werden? Wer organisiert die Kindergeburtstage, vereinbart Arzttermine oder hat im Kopf, wann die nächste Klassenarbeit ansteht?
In vielen Familien sind es vor allem diese unsichtbaren Aufgaben, die besonders viel Kraft kosten. Denn häufig geht es gar nicht darum, eine Aufgabe selbst zu erledigen, sondern ständig an alles denken zu müssen.
Diese gedankliche Belastung wird auch als Mental Load bezeichnet.
Vielleicht haben Sie während Ihrer Kur zum ersten Mal seit Langem erlebt, wie entlastend es sein kann, einen Teil dieser Verantwortung abzugeben. Warum also nicht gemeinsam überlegen, wie sich auch zu Hause etwas daran verändern lässt?
Setzen Sie sich mit Ihrer Familie zusammen und schauen Sie, welche Aufgaben regelmäßig anfallen und wer diese künftig übernehmen könnte. Dabei dürfen auch Kinder entsprechend ihrem Alter Verantwortung übernehmen.
Wichtig ist allerdings, dass Aufgaben wirklich abgegeben werden. Wenn Sie beispielsweise weiterhin daran denken müssen, dass die Sporttasche gepackt oder der Einkauf erledigt werden muss, bleibt ein großer Teil der Verantwortung bei Ihnen.
Natürlich braucht es manchmal etwas Geduld, bis sich neue Abläufe eingespielt haben. Und vermutlich wird auch nicht gleich alles so funktionieren, wie Sie es sich wünschen.
Aber Sie müssen nicht von heute auf morgen die gesamte Familienorganisation verändern. Schon eine Aufgabe weniger, um die Sie sich dauerhaft kümmern müssen, kann eine spürbare Erleichterung sein.
Und falls Sie alleinerziehend sind oder im Alltag nur wenig Unterstützung haben, ist die Situation natürlich noch einmal anders. Dann lohnt es sich, auch außerhalb des eigenen Haushalts nach Entlastungsmöglichkeiten zu suchen. Vielleicht können Großeltern oder Freunde gelegentlich einspringen. Vielleicht lassen sich Fahrgemeinschaften organisieren oder andere Eltern unterstützen sich gegenseitig.
Denn eines sollten Sie aus Ihrer Kur unbedingt mitnehmen: Sie dürfen Unterstützung brauchen und Sie dürfen auch darum bitten. Sie müssen schließlich nicht alles allein schaffen.
Wenn alte Gewohnheiten zurückkehren, ist das kein Scheitern
Vielleicht klappt es in den ersten Tagen nach der Kur richtig gut. Sie nehmen sich kleine Auszeiten, achten bewusster auf Ihre Bedürfnisse und schaffen es sogar, die eine oder andere Aufgabe abzugeben. Doch dann kommt eine besonders stressige Woche. Ein Kind wird krank, bei der Arbeit ist viel los und plötzlich bleibt wieder keine Zeit für die Dinge, die Sie sich vorgenommen hatten.
Und jetzt? War die ganze Mühe umsonst?
Ganz bestimmt nicht. Veränderungen brauchen Zeit und verlaufen selten ohne Rückschritte. Gerade wenn der Alltag besonders herausfordernd wird, greifen wir häufig auf vertraute Gewohnheiten zurück. Das ist menschlich und bedeutet keineswegs, dass Sie alles vergessen haben, was Sie während Ihrer Mutter-/Vater-Kind-Kur gelernt haben.
Vielleicht gelingt es Ihnen inzwischen, früher zu erkennen, wann Ihnen alles zu viel wird. Vielleicht fällt es Ihnen leichter, um Unterstützung zu bitten. Oder Sie merken schneller, dass Sie dringend eine Pause brauchen.
Auch das sind Fortschritte, die im Trubel des Familienalltags manchmal viel zu wenig Beachtung finden.
Versuchen Sie deshalb, geduldig mit sich selbst zu bleiben. Wenn eine neue Gewohnheit nicht funktioniert, dürfen Sie diese verändern oder einen anderen Weg ausprobieren. Und wenn die Belastung dauerhaft zu groß wird, kann es sinnvoll sein, sich erneut Unterstützung zu suchen.
Schließlich geht es nicht darum, nach der Kur alles perfekt zu machen. Viel wichtiger ist es, die eigenen Bedürfnisse nicht wieder vollständig aus den Augen zu verlieren.
Was von der Kur bleibt, darf in kleinen Schritten wachsen
Eine Mutter-/Vater-Kind-Kur kann vieles in Bewegung bringen. Vielleicht haben Sie neue Kraft geschöpft, wichtige Erkenntnisse über sich selbst gewonnen oder einfach wieder gespürt, wie gut es tut, auch einmal an die eigenen Bedürfnisse zu denken.
Natürlich wartet zu Hause weiterhin der ganz normale Familienalltag. Mit Wäschebergen, Terminen, kleinen und großen Sorgen und all den Dingen, die das Leben mit Kindern eben mit sich bringt.
Aber vielleicht gehen Sie inzwischen ein bisschen anders damit um. Vielleicht erlauben Sie sich häufiger eine Pause, sagen auch einmal Nein oder bitten um Hilfe, bevor Ihnen alles über den Kopf wächst.
Und wissen Sie was? Das darf fürs Erste vollkommen ausreichen.
Sie müssen nach Ihrer Kur kein neuer Mensch sein und auch nicht Ihr gesamtes Leben verändern. Nehmen Sie sich lieber das mit, was Ihnen wirklich gutgetan hat, und geben Sie diesen kleinen Veränderungen die Möglichkeit, langsam zu wachsen.
Denn die wertvollste Erkenntnis aus Ihrer Kur könnte sein, dass auch Sie selbst einen festen Platz auf Ihrer Prioritätenliste verdienen.
Häufige Fragen zur Zeit nach der Mutter-/Vater-Kind-Kur
Warum fällt es mir nach der Mutter-/Vater-Kind-Kur so schwer, den Alltag zu bewältigen?
Während einer Mutter-/Vater-Kind-Kur haben Sie mehr Raum, sich um Ihre Gesundheit und Ihre eigenen Bedürfnisse zu kümmern. Zu Hause warten dagegen wieder Familie, Beruf und viele alltägliche Verpflichtungen. Dass dieser Übergang zunächst anstrengend sein kann, ist deshalb gut nachvollziehbar. Geben Sie sich Zeit, wieder anzukommen, und erwarten Sie nicht, dass Sie sofort alles anders machen können.
Wie kann ich die Erholung aus der Kur möglichst lange bewahren?
Versuchen Sie, kleine Dinge, die Ihnen während der Kur gutgetan haben, bewusst in Ihren Alltag einzubauen. Das kann ein kurzer Spaziergang sein, eine regelmäßige Ruhepause oder ein Moment ganz für sich allein. Wichtig ist, dass diese Gewohnheiten zu Ihrem Leben passen und Sie sich damit nicht zusätzlich unter Druck setzen. Auch kleine Auszeiten können helfen, im Alltag besser auf sich zu achten.
Was kann ich tun, wenn ich nach der Kur wieder in alte Gewohnheiten zurückfalle?
Zunächst einmal dürfen Sie nachsichtig mit sich sein. Alte Gewohnheiten sind oft über viele Jahre entstanden und lassen sich nicht innerhalb weniger Wochen dauerhaft verändern. Überlegen Sie, warum ein guter Vorsatz gerade nicht funktioniert. Vielleicht fehlt die Zeit, vielleicht brauchen Sie mehr Unterstützung oder die Veränderung war einfach zu groß. Dann dürfen Sie Ihren Plan anpassen und mit einem kleineren Schritt neu beginnen.
Wie kann meine Familie mich nach der Kur unterstützen?
Sprechen Sie offen darüber, was Sie während der Kur gelernt haben und was Sie sich für den gemeinsamen Alltag wünschen. Vielleicht können Aufgaben anders verteilt, feste Ruhezeiten vereinbart oder die Kinder altersgerecht stärker eingebunden werden. Wichtig ist, dass die Verantwortung für den Familienalltag möglichst gemeinsam getragen wird. Denn auch Ihre Gesundheit und Ihre Erholung brauchen ihren Platz.
Welche Unterstützung gibt es nach einer Mutter-/Vater-Kind-Kur?
Auch nach Ihrer Kur müssen Sie mit Ihren Herausforderungen nicht allein bleiben. Je nach persönlicher Situation können beispielsweise Beratungsangebote, psychotherapeutische Unterstützung, Selbsthilfegruppen oder geeignete Nachsorgeangebote infrage kommen. Wenn Sie merken, dass die Belastungen im Alltag wieder zunehmen, sprechen Sie frühzeitig mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt. Gemeinsam lässt sich überlegen, welche Unterstützung für Sie sinnvoll sein könnte.